Unser Newsletter für Ihr Weiterkommen
IT, Personalentwicklung und Learning & Development
Jetzt anmelden
Jedes Projekt ist einzigartig, doch eines bleibt konstant: Risiken sind allgegenwärtig. Erfahrungsgemäß verlaufen Projekte selten exakt wie geplant. Ob Expertinnen oder Experten nicht verfügbar sind, ein Lieferant ausfällt, regulatorische Instabilität oder mangelhafte Kommunikation auftritt – unvorhergesehene Ereignisse können selbst die solidesten Ziele gefährden.
Und dennoch versäumen es viele Projektverantwortliche, diese Risiken frühzeitig zu antizipieren. Aus Zeitmangel, aus übermäßigem Vertrauen – oder sogar aus Sorge, andere zu verunsichern. Dabei ist es ein echter Fallstrick, auf das Risikomanagement in Projekten zu verzichten.
Eins ist klar: Ein Projekt ohne identifizierte Risiken weist in der Regel ein erhöhtes Gesamtrisiko auf. Planabweichungen sind dabei keine Ausnahme, sondern ein typisches Merkmal von Projekten.
Eine Risikoanalyse hilft dabei:
Sie ist ein Zeichen von Reife im Projektmanagement. Sie schafft Sicherheit, fördert Verantwortungsbewusstsein und führt zu klareren, fundierteren Entscheidungen.
Ein Risiko ist ein unsicheres Ereignis, das – wenn es eintritt – mindestens eines der Projektziele beeinflusst: Kosten, Qualität, Zeit oder Umfang.
Risiken sind nicht zwangsläufig angekündigte Katastrophen, sondern mögliche Ereignisse, die den Projektverlauf beeinflussen können. Neben negativen Auswirkungen eröffnen Risiken auch Chancen: Aus einem Risiko kann sich eine positive Entwicklung ergeben, die zusätzlichen Mehrwert für das Projekt schafft.
Der Prozess folgt einer klaren Logik: Risiken identifizieren, bewerten, steuern und regelmäßig überprüfen.

Dieser Schritt erfolgt gemeinsam mit allen Projekt-Stakeholdern. Ziel ist es, Ereignisse zu identifizieren, die die Erreichung der Projektziele gefährden könnten.
Statt dabei Vollständigkeit anzustreben, sollten Sie sich auf 5 bis 10 kritische Risiken konzentrieren – oft spricht man von der Regel der „Maximal 10 Risiken“.
Nutzen Sie dazu kollaborative Methoden wie Brainstorming oder branchenspezifische Risikokataloge.
Beispiele für typische Risikokategorien sind:
Nach der Identifikation werden die Risiken bewertet – anhand zweier Kriterien:
Durch die Kombination dieser beiden Dimensionen entsteht eine Risikokritikalitätsmatrix, wie in der folgenden Abbildung dargestellt.

Verwenden Sie eine 3×3-Matrix mit folgendem Farbschema:
Größere Matrizen (4×4 oder 5×5) sind oft schwer zu handhaben und können für den Moment zu weit führen. Die Farbkennzeichnung hilft dabei, den Fokus auf wirklich kritische Risiken zu legen.
Je nach Kritikalität wird eine geeignete Strategie gewählt (siehe Abbildung 3 und Tabelle 1).

| Maßnahme | Ziel | Beispiel |
|---|---|---|
| Vermeiden | Ursache beseitigen oder die Eintrittswahrscheinlichkeit stark reduzieren | Eine kritische Kompetenz doppelt besetzen, um Verzögerungen zu vermeiden, falls eine Schlüsselperson ausfällt. |
| Abmildern (Mitigieren) | Auswirkungsgrad reduzieren | Tests intensivieren, um Probleme nicht erst im Betrieb zu entdecken. |
| Übertragen | Risiko (ganz oder teilweise) delegieren | Vertragliche Pönale-Klauseln oder eine Versicherung, z. B. zur Absicherung eines Wechselkursrisikos. |
| Akzeptieren/Steuern | Risiko bewusst akzeptieren und kontrolliert managen | Zeit- oder Budgetpuffer einplanen, um kleinere, Unwägbarkeiten abzufangen. |
Tab. 1 Strategien zur Verringerung der Kritikalität
Maßnahmen der Prävention (Eintrittswahrscheinlichkeit senken) oder Schadensbegrenzung (Auswirkung reduzieren) werden in den Projektplan integriert, indem passende Lieferobjekte und Arbeitspakete ergänzt werden. Zusätzlich werden Budget- und Zeitreserven für geringfügige Risiken vorgesehen (typisch: 5–10 % des Gesamtbudgets). In der Praxis werden die Risiken in einer Risikoliste geführt; für jedes Risiko werden Maßnahmen, Verantwortliche und Fälligkeiten festgelegt.

Eine Risikoanalyse ist nie statisch. Risiken entwickeln sich, präzisieren sich oder entfallen. Daher ist es unerlässlich, die Risikoliste in jedem Lenkungskreis bzw. an Meilensteinen zu aktualisieren, Wahrscheinlichkeiten und Schweregrade entsprechend dem Projektfortschritt anzupassen und neu erkannte Risiken aus dem Projektalltag aufzunehmen.
Auch in agilen Vorgehensmodellen gibt es Risiken – häufig als Unsicherheit über Scope oder Business Value. Die Analyse ist dynamischer, folgt aber derselben Logik. Sie ist integriert in die Sprint-Planung (Abhängigkeiten und Priorisierung), die Retrospektiven (neue Risiken identifizieren) und den Backlog (Behandlungsmaßnahmen als Tasks).
Antizipation ist Steuerung – das gilt besonders für Risiken. Risikomanagement ist keine Hysterie, sondern Ausdruck von Klarheit und verantwortungsvollem Projektmanagement. Es strukturiert den Dialog, unterstützt Abwägungen und trägt wesentlich zum Projekterfolg bei. Ein in Prävention investierter Euro spart bis zu zehn Euro in der Incident- oder Krisenbewältigung. Professionelles Risikomanagement ist damit ein zentraler Erfolgsfaktor moderner Projekte.
Dieser Blogbeitrag wurde auf Grundlage eines Blogartikels der Cegos Group übersetzt und adaptiert. Den Originalbeitrag finden Sie hier:https://www.cegos.fr/ressources/mag/projet/methodes-et-outils/gestion-des-risques-projet-outils-et-techniques-pour-prevoir-linattendu
Ein Fehler ist aufgetreten.