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IT, Personalentwicklung und Learning & Development
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Um technologische, gesellschaftliche und demografische Transformationen erfolgreich zu bewältigen, setzen Organisationen zunehmend auf agile, kompetenzbasierte Ansätze. Damit verändert sich auch die Rolle von Learning & Development (L&D) grundlegend – wie bereits im vorherigen Artikel zur Transformation der L&D-Funktion beschrieben.
Sobald diese Erkenntnis verankert ist, folgt der nächste Schritt: die Umsetzung. In diesem Beitrag zeigt unsere Expertin Carolina Gracia-Moreno (Head of Learning Design and Professional Effectiveness Expertise, Cegos Group) praxisnahe Wege auf, wie Kompetenzentwicklung schneller, nahtloser und wirkungsorientierter gestaltet werden kann.
Die zentrale Herausforderung für L&D-Teams besteht darin, die Time-to-Competency zu verkürzen, indem Lernen direkt in reale Arbeitssituationen integriert wird. Für 68 % der Mitarbeitenden und 70 % der HR-Entscheider:innen ist dies der wichtigste Treiber für das Engagement der Lerneneden (Quelle: Cegos 2026 International Barometer: Transformations, Skills and Learning).
Carolina Gracia-Moreno bringt es auf den Punkt: „Diese Transformation ist sowohl pädagogischer als auch organisatorischer Natur. Ziel ist es, Lernen in den Arbeitsfluss zu integrieren – und nicht als separate Aktivität zu betrachten.“ In der fortgeschrittensten Ausprägung entsteht so ein Lernökosystem, in dem alle Mitarbeitenden kontinuierlich Zugriff auf passende Ressourcen haben, um Probleme unmittelbar zu lösen – etwa über interne Chatbots, die auf das organisationsspezifische Wissen zugreifen.
41 % der Mitarbeitenden geben an, dass Lernangebote häufig zu spät kommen – manchmal Monate nach Feststellung des Bedarfs (Quelle: Cegos 2026 International Barometer: Transformations, Skills and Learning). Um schneller reagieren zu können, müssen sich L&D-Bereiche von langen, starren Formaten verabschieden.
Der Schlüssel liegt in stark modularisierten Lernformaten. Micro-Contents wie Kurzvideos, Quick-Guides oder Podcasts sind per Klick verfügbar – z. B. ein zweiminütiges Video über einen QR-Code direkt an einer Produktionsmaschine.
Modularität ermöglicht zudem individualisierte Lernreisen: Auf Basis präziser Kompetenzdiagnosen durchlaufen Lernende nur die Module, die sie wirklich benötigen. Das steigert Relevanz und Engagement. Für Organisationen bedeutet das: Lernen erfolgt nicht mehr „just in case“, sondern „just in time“. Ein weiterer Vorteil liegt in der Aktualisierbarkeit: In dynamischen Umfeldern ist ein dreiminütiges Video zu einer neuen KI-Funktion deutlich schneller angepasst als ein mehrtägiges Seminar. So bleibt L&D eng an den aktuellen Business-Bedürfnissen ausgerichtet.
46% der Mitarbeitenden sehen Badges und Zertifikate als wichtigen Engagement-Faktor, jedoch nur 21% der HR-Professionals (Quelle: Cegos 2026 International Barometer: Transformations, Skills and Learning). Dabei gewinnen Micro-Zertifizierungen deutlich an Bedeutung: Sie machen erworbene Kompetenzen sichtbar, stärken Motivation und unterstützen sowohl interne Mobilität als auch die individuelle Karriereentwicklung.
Entscheidend ist dabei, wie klar und praxisnah diese Zertifikate zugeschnitten sind. Sind sie zu allgemein, liefern sie wenig Mehrwert für Lernende und Organisationen. Sind sie hingegen zu kleinteilig, wirken sie schnell unübersichtlich und verlieren an Relevanz. Erfolgreiche Micro-Zertifikate beschreiben deshalb konkrete, anwendbare Fähigkeiten, die sich direkt im Arbeitsalltag einsetzen lassen.
Die Glaubwürdigkeit von Badges hängt zudem stark von ihrer Anerkennung innerhalb der Organisation und am externen Arbeitsmarkt ab. Aus diesem Grund setzen immer mehr Unternehmen auf offene Standards wie Open Badges, die Kompetenzen transparent, vergleichbar und digital nachweisbar machen.
In der Praxis kommen unterschiedliche Validierungsansätze zum Einsatz: Manche Organisationen arbeiten mit Peer-Validierung, bei der qualifizierte Kolleginnen und Kollegen die Anwendung einer Kompetenz bestätigen. Andere kombinieren Lernen und Bewertung über hybride Modelle, bei denen Mitarbeitende konkrete „Proofs of Impact“ einreichen – etwa ein Arbeitsergebnis, ein kurzes Video oder Feedback von Kunden –, bevor ein Badge vergeben wird.
Technologie – insbesondere Künstliche Intelligenz – ermöglicht erstmals personalisierte Lernpfade in großer Skalierung. Bereits 21 % der Organisationen setzen KI-gestützte Lösungen im Learning & Development ein (Quelle: Cegos 2026 International Barometer: Transformations, Skills and Learning).
Schon vor dem eigentlichen Lernen unterstützt KI durch automatisierte Kompetenz- und Bedarfsanalysen. Auf Basis von Selbsteinschätzungen, Lerndaten oder Performancekennzahlen lassen sich Entwicklungsbedarfe präziser identifizieren als mit klassischen Verfahren.
Darauf aufbauend fungieren moderne Lernplattformen als intelligente Empfehlungssysteme, die passgenaue Inhalte, Formate und Lernsequenzen vorschlagen – abgestimmt auf Rolle, Erfahrungsstand und individuelles Lerntempo.
Während des Lernprozesses ermöglichen Adaptive-Learning-Systeme eine kontinuierliche Anpassung: Inhalte werden vertieft, wenn Unsicherheiten auftreten, oder beschleunigt, wenn Kompetenzen bereits sicher vorhanden sind. So entsteht ein grundlegender Perspektivwechsel: Nicht mehr die Organisation definiert einen starren Lernpfad – die Technologie begleitet Lernende individuell durch ihre Entwicklung.
Die Erfolgsmessung von Lerninitiativen entwickelt sich weiter – hin zu einem echten Wirkungsnachweis. Learning Analytics gewinnen an Bedeutung, um den Beitrag von Qualifizierungsmaßnahmen zur Unternehmensperformance sichtbar zu machen.
Einige Organisationen nutzen hierfür Learning Record Stores (LRS), die Lerndaten aus verschiedenen Plattformen mit Performance-Kennzahlen verknüpfen. So lässt sich beispielsweise präzise messen, welchen Einfluss ein bestimmtes Lernvideo auf die Reduktion von Fehlerquoten oder Bearbeitungszeiten in einer Produktionslinie hat.
Dieser datenbasierte Ansatz unterstützt L&D-Bereiche dabei, ihr Portfolio gezielt zu steuern und Investitionen auf die wirksamsten Lerninitiativen zu konzentrieren.
Trotz technologischer Fortschritte bleibt der Mensch zentral für nachhaltiges Lernen. Carolina Gracia-Moreno betont: „Unabhängig von den eingesetzten Formaten bleibt menschliche Interaktion der Kern des Lernens – sie ist der entscheidende Faktor für Engagement und Transfer.“
Feedback durch Tutor:innen, der Austausch unter Peers sowie kollektive Reflexion fördern die nachhaltige Verankerung neuer Kompetenzen. In diesen sozialen Lernprozessen werden theoretische Inhalte in konkrete, anwendbare Praxis überführt.
Eine Schlüsselrolle kommt dabei der direkten Führungskraft als Lernbegleiter:in zu. In der Realität verhindern operative Zwänge jedoch häufig die notwendige Coach-Haltung. Deshalb müssen L&D-Teams nicht nur Mitarbeitende qualifizieren, sondern auch Führungskräfte gezielt befähigen, Lernmomente im Arbeitsalltag ihrer Teams zu erkennen und aktiv zu fördern.
So können Führungskräfte ihre Coaching-Rolle nicht als Zusatzbelastung, sondern als wirksamen Hebel zur Leistungssteigerung und Teamentwicklung verstehen.
Die Rolle von Learning & Development beschränkt sich heute nicht mehr auf die reine Wissensvermittlung. L&D fungiert zunehmend als zentrale Rolle eines ganzheitlichen Lernökosystems, das situatives, personalisiertes und wirksames Lernen ermöglicht.
Technologie hilft, klassische Grenzen von Zeit, Ort und Skalierung zu überwinden – doch erst durch gezielte menschliche Begleitung entsteht nachhaltige Wirkung. Der wahre Mehrwert zeigt sich dort, wo Lernen messbar zur Performance beiträgt.
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