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Was haben ein Regenschirm und ein Mikrofon mit Management und Führung zu tun? In diesem Artikel beleuchtet Simone Sullivan, Beraterin bei Cegos, die Rollen von Führungskräften im mittleren Management sowie die potenziellen Risiken und Kosten für Unternehmen, wenn sie diese Ebene zugunsten von KI und flachen Hierarchien abbauen.
Eine kluge Kollegin sagte einmal während eines Meetings mit der oberen Führungsebene: „Die zwei mächtigsten Werkzeuge einer Führungskraft sind ein Regenschirm und ein Mikrofon.“
Der Regenschirm kann genutzt werden, um das Team vor unnötiger Bürokratie von oben zu schützen, sodass sich die Menschen auf die wirklich wichtige Arbeit konzentrieren können. Das Mikrofon hingegen dient dazu, Kolleginnen und Kollegen herauszustellen, Erfolge zu feiern, Ideen zu bestärken und dafür zu sorgen, dass jede Stimme gehört wird.
Beide Werkzeuge stehen für die Bedeutung des mittleren Managements und seine Rolle. Doch was passiert, wenn diese Werkzeuge wegfallen – oder schlimmer noch: die Managerinnen und Manager selbst?
Genau dieses Szenario spielt sich heute in vielen Organisationen ab. In einer Welle von Umstrukturierungen mit dem Ziel, „Strukturen zu verschlanken“, werden Führungskräfte im mittleren Management gestrichen oder durch KI und die Hoffnung auf selbstorganisierte Teams ersetzt. Das Versprechen? Niedrigere Kosten, schnellere Entscheidungen und befähigte Mitarbeiter:innen. So verlockend das klingt – die Realität kann deutlich komplexer und weitaus riskanter sein.
Für viele Unternehmen scheint der Abbau des mittleren Managements ein logischer Schritt zu sein. Laut Gartner werden bis 2026 20 % der Organisationen KI eingesetzt haben, um 50 % der Stellen im mittleren Management zu eliminieren. Die Idee ist ansprechend: schlankere Strukturen, schnellere Entscheidungen und erhebliche Kosteneinsparungen.
Zudem wird KI zunehmend als Ersatz für Führungskräfte positioniert – sie übernimmt die Berichterstattung, Zuteilung von Arbeitsabläufen und sogar Elemente der Leistungsüberwachung. Kombiniert man dies mit agilen Strukturen und selbstorganisierten Teams, scheint eine intelligentere Art zu arbeiten gefunden.
Doch die wahren Kosten des Abbaus der mittleren Managementebene werden oft übersehen.
Ein Blick über reine Kostensenkungen hinaus erzählt eine andere Geschichte. Nachfolgend eine Zusammenfassung der möglichen Kosten, die mit dem Abbau oder der Reduzierung des mittleren Managements einhergehen.
Entscheidungen verschwinden nicht – sie verlagern sich lediglich nach oben. Ohne das mittlere Management werden Top-Führungskräfte stärker in operative Themen eingebunden, was zu Überlastung und strategischer Ablenkung führen kann. Statt sich auf Visionen zu konzentrieren, geraten sie ins Tagesgeschäft.
Führungskräfte im mittleren Management fungieren als Brücke zwischen strategischer Ausrichtung und der täglichen Umsetzung in ihren Teams (denken Sie an den Regenschirm). Fehlen sie, wird die Kommunikation, langsamer, ungenauer und fragmentierter.
Mittlere Führungskräfte sind häufig die Träger der Unternehmenskultur. Sie fördern Motivation, verankern Werte und bieten emotionale Unterstützung. Forbes berichtete kürzlich, dass der Abbau dieser Ebene zu Erschöpfung, mangelndem Engagement und zu einer schwächeren Unternehmenskultur führt.
Führungskräfte im mittleren Management agieren als doppelte Fürsprecher: Sie übersetzen Botschaften der Unternehmensführung für ihre Teams und tragen zugleich Anliegen der Mitarbeiter:innen nach oben (denken Sie wieder an Regenschirm und Mikrofon). Ohne sie wird die Stimme der Mitarbeiter:innen schwächer.
Die mittlere Ebene ist zudem der Ort, an dem zukünftige Top-Führungskräfte entwickelt werden. Laut Deloitte erzielen Organisationen mit starkem mittleren Management bis zu 15 % bessere finanzielle Ergebnisse als solche ohne. Der Abbau dieser Ebene stört die Nachfolgeplanung und bremst die Talententwicklung langfristig.
Wenn Sie den Wert Ihres mittleren Managements hinterfragen, ist es vielleicht an der Zeit, diese Rolle in Ihrer Organisation nicht abzuschaffen, sondern neu zu definieren und zu positionieren. Verschlankung bedeutet nicht, dass Führung verschwindet. Und KI kann – bei all ihren Versprechen – nicht die Fürsprache, das Vertrauen und die Kommunikation ersetzen, die kompetente Führungskräfte einbringen.
Die mittlere Managementebene ist weiterhin wichtig – und im Zeitalter der digitalen Transformation und komplexer menschlicher Dynamiken könnte sie wichtiger sein denn je.
Dieser Blogbeitrag wurde auf Basos eines Blogartikels der Cegos Group übersetzt und adaptiert. Den Originalbeitrag finden Sie hier.
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