Führen mit Daten: Unternehmenserfolg durch eine datenbasierte Kultur
3h Fokus

Data Governance umzusetzen bedeutet, Verantwortlichkeiten, Qualitätsstandards und Entscheidungsprozesse rund um Daten so zu verankern, dass Fachbereiche, IT und Data Teams auf einer verlässlichen Grundlage zusammenarbeiten können. Ein pragmatischer Start gelingt in fünf Schritten: kritischen Datenbereich wählen, Verantwortlichkeiten klären, Begriffe definieren, Qualitätsregeln festlegen und eine Governance-Routine etablieren.
Data Governance klingt in vielen Unternehmen nach Richtlinien, Gremien, langen Abstimmungen und zusätzlichem Aufwand. Genau deshalb bleibt das Thema oft hinter seinen Möglichkeiten zurück. Nicht, weil es unwichtig wäre, im Gegenteil: Ohne klare Datenverantwortung werden datengetriebene Entscheidungen unsicher, KI-Initiativen riskanter und operative Prozesse fehleranfälliger.
Der eigentliche Knackpunkt liegt meist nicht in der Technologie. Unternehmen haben bereits häufig Datenplattformen, Reporting-Tools, Data Warehouses, Dashboards oder erste KI-Anwendungen im Einsatz. Was fehlt, ist ein gemeinsames Verständnis dafür, wer für welche Daten verantwortlich ist, welche Qualitätsstandards gelten und wie Entscheidungen rund um Daten im Alltag getroffen werden.
Data Governance wird praxistauglich, wenn sie nicht als Kontrollapparat verstanden wird, sondern als Arbeitsmodell. Es geht nicht darum, jede Datennutzung bürokratisch abzusichern. Es geht darum, Daten so zu organisieren, dass Fachbereiche, IT, Data Teams und Führungskräfte zuverlässig damit arbeiten können.
Oder anders gesagt: Data Governance funktioniert dann, wenn Rollen, Prozesse und Nutzen klar sind.
Viele Governance-Initiativen starten mit guten Absichten. Es werden Rollen definiert, Policies erstellt, Datenmodelle beschrieben und Verantwortlichkeiten dokumentiert. Auf dem Papier sieht das häufig sauber aus. Im Alltag passiert dann aber etwas anderes: Niemand weiß genau, wann die Governance greift, wer Entscheidungen trifft oder wie ein konkretes Datenproblem gelöst werden soll.
Das ist kein Einzelfall. Es ist ein typisches Muster.
Data Governance wird häufig zu abstrakt gedacht. Sie wird als strategisches Rahmenwerk aufgesetzt, aber nicht ausreichend in operative Abläufe übersetzt. Dann entstehen Konzepte, die fachlich richtig sind, aber im Arbeitsalltag kaum Wirkung entfalten. Die Folge: Fachbereiche erleben Governance als zusätzliche Hürde, IT-Teams bekommen unklare Anforderungen, Data Teams sollen Qualität liefern, ohne die fachliche Bedeutung der Daten vollständig beurteilen zu können und Führungskräfte erwarten verlässliche Kennzahlen, obwohl die Grundlagen dafür nicht sauber geregelt sind.
Der Punkt ist nicht, dass Unternehmen keine Governance brauchen. Der Punkt ist, dass Governance anders verankert werden muss: näher an den Entscheidungen, näher an den Prozessen und näher am konkreten Nutzen.
Wer zunächst die grundlegenden Konzepte, Ziele und Bestandteile einer Data-Governance-Strategie verstehen möchte, findet im Beitrag zur Data Governance: das Fundament für effizientes Datenmanagements eine Einführung.
Ein häufiger Denkfehler besteht darin, Data Governance vor allem als Dokumentationsaufgabe zu betrachten. Natürlich braucht es Definitionen, Datenkataloge und Standards, aber Dokumentation allein verändert noch kein Verhalten.
Wenn Mitarbeiter:innen nicht wissen, wann sie eine Definition prüfen müssen, wen sie bei Datenkonflikten ansprechen sollen oder wie Qualitätsprobleme eskaliert werden, bleibt Governance Theorie. Dann gibt es zwar Regeln, aber keine gelebte Verantwortung.
Wirksam wird Governance erst, wenn sie in konkrete Situationen übersetzt wird. Zum Beispiel:
Genau an solchen Stellen entscheidet sich, ob Data Governance funktioniert. Nicht im Strategiepapier.
Eine der wichtigsten Grundlagen praxistauglicher Governance ist die Rollenklärung. In vielen Organisationen wird zwar von Datenverantwortung gesprochen, aber diese Verantwortung bleibt diffus.
Das klingt trivial, ist aber genau der Knackpunkt. Daten entstehen in Geschäftsprozessen und ihre Bedeutung liegt damit häufig im Fachbereich. Ihre technische Bereitstellung liegt oft bei IT oder Data Engineering und ihre Nutzung erfolgt wiederum in Analytics, Reporting, KI-Anwendungen oder operativen Systemen. Deshalb reicht eine einzelne Verantwortungsrolle nicht aus, es braucht ein Zusammenspiel.
Auch andere Cloud-Anbieter entwickeln ihre Zertifizierungen weiter.
In vielen Governance-Modellen haben sich drei Rollen etabliert: Data Owner, Data Steward und Data Custodian. Die Begriffe werden je nach Organisation unterschiedlich ausgelegt, aber die Grundlogik ist hilfreich.
Data Owner: trägt fachliche Verantwortung für einen Datenbereich, z. B. Kundendaten, Produktdaten, Finanzdaten oder Seminardaten. Diese Rolle entscheidet nicht jede Detailfrage selbst, aber sie sorgt dafür, dass fachliche Standards, Definitionen und Prioritäten klar sind.
Data Steward: arbeitet näher am operativen Alltag. Hilft dabei, Datenbegriffe zu pflegen, Qualitätsprobleme zu erkennen, Definitionen abzustimmen und Governance-Anforderungen in nutzbare Routinen zu übersetzen. Data Stewards sind häufig die Brücke zwischen Fachbereich, IT und Data Teams.
Data Custodian: stärker technisch ausgerichtet. Kümmert sich um Speicherung, Zugriff, technische Verfügbarkeit, Schnittstellen, Sicherheit und Datenhaltung. Ein:e Data Custodian stellt sicher, dass Daten technisch zuverlässig bereitgestellt werden.
Wichtig ist: Diese Rollen ersetzen keine Zusammenarbeit. Sie machen Zusammenarbeit erst möglich. Denn wenn klar ist, wer fachlich entscheidet, wer operativ koordiniert und wer technisch verantwortet, werden Datenfragen schneller lösbar.
Die konkrete Ausgestaltung dieser Rollen variiert von Organisation zu Organisation. Die grundlegende Trennung zwischen fachlicher, operativer und technischer Verantwortung findet sich jedoch in vielen etablierten Data-Governance-Modellen wieder, etwa in den von DAMA International beschriebenen Kontextdiagramm Data Governance and Stewardship.
Nicht jedes Unternehmen braucht sofort ein großes Governance-Organigramm. Gerade in mittelständischen Organisationen wäre das oft überdimensioniert. Entscheidend ist nicht die perfekte Rollenarchitektur, sondern die praktische Klärung.
Hilfreiche Leitfragen sind:
Wenn diese Fragen nicht beantwortet sind, entsteht Schatten-Governance. Dann entscheidet nicht die definierte Verantwortung, sondern Verfügbarkeit, Lautstärke oder historisch gewachsene Gewohnheit. Das funktioniert kurzfristig manchmal erstaunlich gut. Langfristig wird es teuer.
Rollen sind wichtig, aber nicht ausreichend. Data Governance braucht Prozesse. Nicht im Sinne schwerfälliger Bürokratie, sondern als klare Abläufe für wiederkehrende Datensituationen.
In vielen Unternehmen gibt es Governance-Gremien, aber keine einfachen Wege, um Datenprobleme im Alltag zu bearbeiten. Mitarbeiter:innen wissen dann zwar, dass es „irgendwo“ Governance gibt, aber nicht, wie sie ein konkretes Thema einbringen sollen. Genau hier verliert Governance Akzeptanz.
Ein praxistauglicher Governance-Prozess beantwortet drei Fragen:
Der beste Governance-Prozess ist nicht der, der zusätzlich existiert. Der beste Prozess ist der, der an bestehende Abläufe andockt.
Beispiel hierfür sind etwa:
Governance wird damit nicht nachgelagert, sondern eingebaut. Sie wird Teil der Arbeitsweise.
Das ist besonders wichtig, weil Daten heute nicht mehr nur für Reporting genutzt werden. Sie fließen in Automatisierung, Personalisierung, Prognosen, KI-Systeme und operative Entscheidungen. Je stärker Daten in Prozesse eingreifen, desto wichtiger wird es, Verantwortung früh zu klären.
Data Governance wird oft aus Sicht von Compliance, IT oder Datenmanagement argumentiert. Das ist nachvollziehbar, reicht aber nicht aus. Wenn Fachbereiche Governance nur als Kontrollmechanismus erleben, entsteht Widerstand, erst wenn sie den Nutzen erkennen, verändert sich die Dynamik.
Für Fachbereiche wird Governance relevant, wenn sie konkrete Probleme löst: widersprüchliche Kennzahlen, unklare Definitionen, manuelle Nacharbeiten, fehlendes Vertrauen in Reports, doppelte Datenpflege oder langwierige Abstimmungen.
Der Nutzen liegt nicht darin, dass ein Unternehmen Governance hat“. Der Nutzen liegt darin, dass Entscheidungen verlässlicher, Prozesse schneller und Verantwortlichkeiten klarer werden.
In der Praxis zeigt sich der Wert von Governance oft an unspektakulären Stellen. Ein Vertriebsteam muss nicht mehr diskutieren, welche Umsatzdefinition gilt. Ein Management-Report wird nicht mehr vor jedem Termin manuell korrigiert. Ein Data Team muss nicht jedes Mal neu herausfinden, welche Datenquelle verbindlich ist. Ein Fachbereich weiß, an wen er sich bei Qualitätsproblemen wenden kann.
Das klingt wenig spektakulär, aber es spart Zeit, reduziert Fehler und erhöht Vertrauen.
Gerade für Führungskräfte ist dieser Punkt entscheidend. Data Governance sollte nicht als Selbstzweck verkauft werden, sondern als Voraussetzung für belastbare Steuerung. Wer mit Daten führen will, braucht Klarheit über Bedeutung, Herkunft, Qualität und Verantwortung dieser Daten. Das Seminar Führen mit Daten: Unternehmenserfolg durch eine datenbasierte Kultur zeigt, wie datenbasierte Steuerung in der Praxis gelingt.
Datenqualität ist einer der sichtbarsten Bereiche von Data Governance. Gleichzeitig wird sie häufig zu technisch betrachtet. Natürlich können Tools helfen, Dubletten zu erkennen, Formate zu prüfen oder Datenprofile zu erstellen. Aber ein Tool kann nicht entscheiden, ob eine Abweichung fachlich akzeptabel ist.Datenqualität ist kontextabhängig. Eine Adresse kann für eine Marketingkampagne ausreichend sein, für eine Rechnungsstellung aber nicht. Eine veraltete Klassifikation kann für historische Analysen akzeptabel sein, für operative Planung aber problematisch. Deshalb muss Datenqualität immer mit dem Verwendungszweck verbunden werden.
Wie sich Datenqualität systematisch messen, analysieren und nachhaltig verbessern lässt, vermittelt die Schulung Daten- und Informationsqualität mit praktischen Methoden und organisatorischen Ansätzen.
Eine gute Qualitätsregel beantwortet nicht nur, was geprüft wird. Sie erklärt auch, warum es relevant ist.
Beispiel: „Das Feld Kundensegment darf nicht leer sein“ ist eine technische Regel. Fachlich interessant wird sie erst mit der Begründung: „Ohne Kundensegment können Kampagnen nicht zielgerichtet ausgewertet und Vertriebsprioritäten nicht sauber abgeleitet werden.“
Genau diese Verbindung macht Governance wirksam. Sie übersetzt Datenqualität in Prozessqualität und Entscheidungsqualität.
Hilfreiche Qualitätsdimensionen sind zum Beispiel Vollständigkeit, Aktualität, Eindeutigkeit, Konsistenz und Nachvollziehbarkeit. Für die Praxis ist aber wichtiger, diese Dimensionen nicht abstrakt zu diskutieren, sondern an konkreten Datenobjekten festzumachen.
Mit KI steigt der Druck auf Data Governance. Nicht, weil KI alles verändert, sondern weil KI bestehende Datenprobleme sichtbarer und riskanter macht.
Wenn ein klassischer Report auf schlechten Daten basiert, ist das problematisch. Wenn ein KI-System auf schlechten, unklaren oder nicht freigegebenen Daten basiert, kann der Schaden größer sein. Falsche Empfehlungen, verzerrte Ergebnisse, nicht nachvollziehbare Entscheidungen oder Datenschutzprobleme entstehen nicht erst im Modell. Sie beginnen oft bei den Daten.
Deshalb wird Data Governance im KI-Kontext zur Voraussetzung für verantwortungsvolle Nutzung. Mit dem zunehmenden KI-Einsatz gewinnen also strukturierte Governance- und Risikomanagementprozesse an Bedeutung, wie etwa das freiwillige NIST AI Risk Management Framework. Unternehmen müssen wissen, welche Daten verwendet werden, woher sie stammen, welche Qualität sie haben und unter welchen Bedingungen sie genutzt werden dürfen.
Viele Organisationen sprechen über AI Readiness. Gemeint ist häufig technologische Bereitschaft: Tools, Plattformen, Modelle, Use Cases. Das ist wichtig, aber unvollständig.
AI Readiness braucht auch Datenreife. Dazu gehören klare Datenverantwortung, dokumentierte Datenherkunft, nachvollziehbare Qualitätsregeln und geregelte Zugriffe. Besonders relevant wird das bei sensiblen Daten, personenbezogenen Informationen, automatisierten Entscheidungen oder KI-Anwendungen mit hoher geschäftlicher Wirkung.
Der eigentliche Engpass liegt also nicht nur in der Modellkompetenz. Er liegt oft in der Fähigkeit, Daten verlässlich bereitzustellen und verantwortungsvoll zu nutzen.
Hinzu kommen regulatorische Anforderungen. Mit dem EU AI Act rücken Transparenz, Nachvollziehbarkeit und menschliche Aufsicht stärker in den Fokus. Für bestimmte Hochrisiko-Anwendungen und Hochrisiko-KI-Systeme sieht die Verordnung ausdrücklich Maßnahmen zur wirksamen menschlichen Aufsicht vor.
Data Governance scheitert selten an einem einzelnen Grund. Meist ist es eine Kombination aus zu großem Anspruch, fehlender Verankerung und unklarem Nutzen. Typische Fehler sind z. B.:
Ein guter Einstieg in Data Governance muss nicht groß sein. Er muss wirksam sein. Unternehmen profitieren oft stärker von einem fokussierten Pilotbereich als von einem unternehmensweiten Konzept, das lange in der Abstimmung bleibt.
Ein sinnvoller Startpunkt ist ein Datenbereich mit hoher Sichtbarkeit und konkretem Schmerz. Das kann ein Management-Reporting sein, ein zentraler Vertriebsprozess, ein Produktdatenbestand, ein HR-Dashboard oder eine Datenbasis für KI-Anwendungsfälle.
Wichtig ist, den Einstieg nicht nur technisch zu planen. Es braucht ein kleines, arbeitsfähiges Setup aus Fachbereich, IT beziehungsweise Data Team und einer verantwortlichen Führungsebene.
Für den Einstieg kann ein einfacher Ablauf helfen:
Dieser Ansatz ist bewusst kleingehalten. Genau darin liegt seine Stärke: Governance wird damit nicht als Großprojekt eingeführt, sondern als Arbeitsweise erprobt. Was funktioniert, kann anschließend erweitert werden.
Data Governance wird in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Nicht, weil Unternehmen mehr Regeln brauchen, sondern weil Daten immer stärker in Entscheidungen, Prozesse und KI-Systeme eingebunden werden.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Haben wir eine Data-Governance-Strategie? Die bessere Frage lautet: Funktioniert unsere Datenverantwortung im Alltag?
Wenn Rollen unklar sind, Prozesse fehlen und der Nutzen nicht sichtbar wird, bleibt Governance ein theoretisches Konzept. Wenn aber Fachbereiche wissen, wofür sie verantwortlich sind, IT und Data Teams klare Ansprechpartner haben und Führungskräfte verlässliche Daten nutzen können, entsteht echte Wirkung.
Data Governance neu gedacht bedeutet: weniger Kontrolllogik, mehr Arbeitsfähigkeit. Weniger abstrakte Regeln, mehr konkrete Verantwortung. Weniger Dokumentation als Selbstzweck, mehr Nutzen für Entscheidungen und Prozesse.
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Mirijam Pasquini ist Produktmanagerin bei Cegos Integrata und verantwortet die Themen Daten, Künstliche Intelligenz und Programmierung. Sie entwickelt und strukturiert Weiterbildungsangebote und überführt komplexe Inhalte in verständliche, praxisnahe Lösungen.Ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen Data Literacy, Data Governance, AI Readiness sowie in anwendungsorientierten Programmier- und Datentrainings. Dabei verbindet sie fachliche Expertise mit didaktischen Konzepten und aktuellen Marktanforderungen.Ein besonderer Fokus in ihrer Arbeit liegt auf strukturierten Lernformaten und Lernpfaden, die den Praxistransfer unterstützen und Organisationen beim nachhaltigen Aufbau von Daten- und KI-Kompetenzen begleiten. Ihr Ansatz ist klar, pragmatisch und konsequent auf Anwendbarkeit ausgerichtet – mit dem Ziel, Menschen und Unternehmen in einer daten- und KI-geprägten Welt handlungsfähig zu machen.






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